362-Brand_Stotters_Wrack

Wölfins wrackruf: wie der hochwohlgeneigten leserschaft inzwischen kaum entgangen sein wird, abonniere ich eine tägliche zeitung, die eine – nein mehrere – imposante samstagbeilagen hat. Anstatt dass die zeitschrift einen ganz normalen tgl newsletter (NL) versendet, versendet sie persönlich anmutende worte ihres chefredakteurs, hier zärtlich und persönlichkeitsschonend in brandstotters wrackruf umbenannt.
DENN. Ich habe in den newsletter nie reingeschaut, tue dies auch weiterhin nicht. Denn wie klingt dieser titel. Also wolle uns der herr brandstotter belehren, wie wir zu denken haben, ja wecken müssen wir uns von ihm lassen – erwecken gar. Er würde ja der messias sein, wenn ösiland nicht schon einen hätte seit ungefähr dreißig jahren. Und der heißt jetzt kurz und er trägt auch einen kurzen helm. Täglich zur schau.
Brandstotter hält in seiner zeitung das lehrerwesen hoch weil eins seiner liebsten adoptiv‘kinder‘ (redaktionell gesehen) heißt nämlich ‚der niki‘. Und der niki schreibt übers lehrerdasein. So ne story ist hier auch im wachsen, sie wird aber den zusammenhang zu polizisten herstellen.
Die altkluge, blasierte, überhebliche art, tausende und abertausende leser mit einem weckruf, hier zärtlich in wrackruf umbenannt, zu erwecken, das auch noch auf täglicher basis, das erinnert mich an sowas wie fell***s-spitze-feder. So ne glosse im blatt, welches sogar ne beleidigung fürs altpapier verkörpert, weiß nicht obs die noch gibt. Es gab da mal so ne glosse. Ja da hat er halt reingemacht, auf einer spalte. IM blatt. Man kanns überdecken, überblättern, lakonisch übersehen. Ne dämliche spalte, ebenso wie herr gelée sie im kroneblatt hat. Nix was wehtut also. Doch in die mailkastln gehen und sagen ‚ich erwecke dich. Ich erwecke dich täglich. Denn ich weiß alles.‘ in diesem punkt übertrifft oberlehrer brandstotter sogar den verfasser der schmalen, spitzen feder: und zwar in puncto aufdringlichkeit und überheblichkeit. Und tschüss. /290w

361-Lokal_Fesselegie II

ich möchte bitte gerne darauf aufmerksam machen, dass die howto_lokal story einen weiteren punkt dazubekommen hat. um nicht weit runterzuscrollen, sei er hier hinaufgepastet – oh so hochwohlgeneigte leserschaft. howto lokal mit http://www.woelfin.at/archive/2214 2214

edit 29NOV:

  • man hat als karenzvertretung im lokal keine dame anzuheuern, die laut celine dion auflegt und dann auch noch mitsingt, als wolle sie entdeckt werden. sie singt im beisein von gästen mit. jedoch joinen die genervten gäste nicht ein. es sind alles uninteressante und vor allem unkompetente gäste, die garantiert kein tonstudio zuhause zur verfügung haben, in das man die karenzvertretend dion-singende etwa einladen könne. (verstärkt wird der vermaledeite dion-auftritt noch durch die tatsache, dass sie sofort die mehlspeise daherbringt, aber für den dazugehörigen KAFFEE drei anläufe (=versuche) braucht und damit eine halbe stund vergeht bis man zur verwaisten torte endlich den damit runterzuspülenden kaffee vor sich hat).
  • man hat nicht eine woche nach vorangegangenem besuch den gast zu fragen, wie es ihm heute schmeckte im vergleich zur vorwoche. weil er jetzt 2 köche habe und einen auswählen müsse. wie soll ich auf sowas reagieren! ich hab vor mir den fisch diesen freitags und glücklicherweise den fisch vom vorigen freitag fürs instagram fotografiert, damit auch alle wissen, ich kann mir indisch-äsen-gehen leisten. beide fische köstlich, nur der von der vorwoche hatte gemüse dabei und sowas. ich kann nicht die verantwortung für die arbeitslosigkeit eines indischen kochs übernehmen, wenn einer ob meines urteils nach hause gehen soll. damit entschlug ich mich der aussage und wand mich um eine definitive antwort herum, ob der fisch der vorwoche mehr hieß. das macht man auch als indischer restaurantchef gegenüber einer gästin nicht.

Fess_El_Egie
ein weiterer querverweis befindet sich in der schublade des regionalleiters-rainer-rotz, ich habe mich lange damit zurückhalten müssen, aber jetzt war die nase voll, sorry. nur mit leerem magen zu lesen. rainer rotz mit http://www.woelfin.at/archive/1177 (mitte)1177
nachdem eine dame, die im bus hiragana-zeichen las, mich mit ihren sars viren besprüht hat, muss ich mich mit folgendem anfrageschreiben an den experten wenden.
“werter regionalleiter rainer rotz
ich bin mir darüber im klaren, dass es an die einhundertacht menschliche schnupfenviren gibt und nur 20 davon wirklich die menschen befallen. was bitte geschieht mit den verbleibenden 88 virenfamilien. von den eskimos weiß ich, dass diese vierzig worte für schnee haben und ebensoviel für rotz. wie also heißt der rotz_von_sars. es ist nämlich so, dass ich vom deckweißen zu einem deckgelben übergegangen bin. ich kann jedoch zu meiner großen erleichterung mitteilen, dass sich der deckgelbe leichter entfernen lässt. der weiße kam immer nach, weil er war irgendwie sämig. darüber hinaus will ich auch auf die rotzform des jahres 2013 eingehen, die mich ausgerechnet im sommer heimsuchte. sie war aus der gelb, aber leicht grünlich anmutenden ‘familie’ und ihre besonderheit war, dass sie superkleberfähigkeiten hatte. es versteht sich von selbst, dass dem nur mit dem endonasalen presslufthammer beizukommen war. das septum sitzt trotzdem noch. bitte, lieber herr rainer, klären sie mich über die damit einhergehenden virenfamilien – oder auch über die bakteriellen – damit ich niemandem mehr die hand geben muss, auf. mfg ihre wölfin.”

360-Bartologie

ich war drauf vorbereitet, mich hier über die bartologie_II auszulassen, weil ich mir klar drüber war, es gäbe auf woelfin.at schon eine bartologie, eine bartlehre. aber es gibt sie nicht. ich bin wie von sinnen. wie konnte ich über das thema noch nix verfasst haben? was auch immer bartologie im realen leben bedeutet, hier bedeutet sie: die bartlehre. in dänemark will man fremdgläubig anmutende vollbärte demnächst verbieten. bei uns ist das noch nicht so. jetzt fahr ich doch kürzlich erst mit nem bus richtung mahü und seh als wandverkleidung vor nem friseurladen solche über einen kamm geschorenen nikoläuse. alle schauen gleich aus – nur die farbschattierung der bärte differiert peripher. ich sah mal 2 so stereotype aus einem ei gepellte hipster-bartologen in einer technik-verkaufs-filiale. da standen die nebeneinander vor einer vitrine – als verkäufer, mit gepflegtem bart- und haarwerk. man muss bedenken, welch einen enorm ins gewicht fallenden wirtschaftszweig diese manische bartpflege darstellt. diese 2 maxln sahen so mitleiderregend gleich aus, dass es einem halbwegs gstandenen individualisten nur noch wie ein nervenzerfetzend konformistischer schock des grauens übern rücken runterlaufen konnte. die stecken gewiss einen spürbaren prozentsatz ihres ohnehin lapidaren erwerbseinkommens in die pflege dieser wallenden ‘pracht’. das erspart deren beglückten partnerinnen aber nicht den ekel, den man grundsätzlich hat, wenn man mit sowas physiologisch zugange werden muss.
solche bartmännchen, oder nikoläuse, die könnte man einen wie den andren in eine schokoform stecken und sie würden kompatibel ein und den selben abdruck hinterlassen. in den abdruck des vorherigen bartologenmännchens, des pässlichen, zukunftsgläubigen, würde jedes andre bartmännlein hineinpassen, diese frisur wird einst so retro wie die popper-haarvorhänge der 80er jahre. deren träger sind bis heute einäugig geblieben. aus manchen wurden zwischenzeitlich piraten. deren kinder sind jetzt die prekären hipsters.
wurde doch im vorigen absatz ‘retro’ erwähnt. retro war, solangs die grünen wirklich noch gab, deren schimpfwort der nation. wofür stand das? dass sie jetzt aufgeschlossen sind, dass sie aufgeklärt sind und alles besserwissen. trat ein zu junger spund – in hiesigem weblog als knutschebussibärli mit dem kapuzenpulli bekannt – ins parlament ein, war sofort mal der plenarsaal für ihn retro. alles musste hip, design-stylish neu sein. und die revolution fraß ihre kinder, obwohl die ursprüngliche intention ja wahrhaftig mal eine gute gewesen sein muss. einst. jetzt sind sie, die sich sogern erhöhten, indem sie alles, was ihnen nicht entsprach, als retro abtaten, selbst retro geworden. auffällig im stadtbild in der letzten zeit ist eine neue form der stoffgewordenen grünen retro-re-revolution. leute aller gesellschaftlichen schattierungen fangen an, ihre stoffenen grünen biomachtschön sackerln zu tragen. die grünen sind auf die straße gegangen. in form ihrer zeitlosen stoffsackerln. einst noch hatte ich gelacht, weil die schiachsten leute die biomachtschönen stoffsackerl trugen. ich glaub zwei hab ich auch ergattert. naja wer weiß vielleicht traue ich mich ja einmal. 434w

359-Nino_Aus_Molden

295-Nino_Rotz_Wien


nino aus molden
ich habe die tonspuren gehört. Es war molden, der mich zu nino geführt hat. Er hat ihn rehabilitiert für mich: rehabilitiert von was. Etwa vom querverweis 1907 wo ich nino als rotzbuben zwischen bilderbuch und voodoo jürgens abgetan hab. Ich hab ihm da unrecht getan. Er spielt mit den worten, auf eine nichtssagend provokante weise, nämlich provokation durch nichtaussage. Er kann sich hinsetzen und einfach so ein lied schreiben. Ungefähr so, wie mir diese wölfinnentexte aus den fingern rinnen. Ja, das kann man so sagen – es rinnt ihm förmlich aus den fingern. Manchmal spritzt es vielleicht auch – wenn man es nicht ordentlich kanalisiert. Also ein lied oder gedanke überfällt einen, vielleicht grad in den momenten, wo man es eigentlich nicht brauchen kann. Manche hiesige texte werden nicht geschrieben, weil sie zu zeitpunkten entstehen, wo sie eigentlich nicht entstehen sollten, weil grade keine tastatur in der nähe ist. Klar, es gibt die frau hand – aber die süffigen kleinen details gehen verloren und sind mühsam händisch zu skizzieren.
Es soll aber hier um nino_aus_wien, nino mandl aus hirschstetten gehen, der in der tonspurensendung so lebensnah dargestellt worden ist. Unvergesslich sein spaziergang in gastein, sein unvollendetlied-schreiben zu silvester, wo ihn das lied förmlich überfällt und er über es hinweg alles vergisst – weil man eben nur in jenem moment fähig ist, genausowas zu machen und es kann nicht verschoben werden. Beklemmend für mich, die ich in meinem alter schon erfahrung mit chronischen krankheiten gemacht habe, die auf jemanden, der mit 30 ostentativ raucht, eben einfach noch zukommen werden auf die eine oder andre art. was für einen sinn auch hätte es, jemandem zu sagen, er soll dran denken, wie ludwig hirsch und georg danzer verendet sind. Und ich drücks absichtlich genauso harsch aus. Das sind aber die stapfen, in die er tritt, meines erachtens. Er kann nichts dafür, dass er zwangsläufig kontemporärer zeitgenosse eines abgschleckten rotzbuben alias voodoo j. Ist, der den namen des von mir durchaus sehr geschätzten udo-jürgens rücksichtslos verhunzt. Also nino verhunzte mit seinem namen anton aus tirol. Wer edler verhunzte das proletarische, während ein fettbehaarter voodoo j was edles wie den UDO verhunzt; denn trotz allen kommerziellen massenerfolgs war udo jürgens auf seine art wirklich musikalisch und genial. Er hatte durchaus das recht, mit französischen chansonniers in kontakt zu stehen und mit ihnen in einem atemzug genannt zu werden. Man kann sich also hinaufbenennen oder hinunterbenennen. Eleganter ists, wenn man sich hinunterbenennt, wie eben nino m und in wirklichkeit aber doch was draufhat. Nicht so wahnsinnig viel vielleicht. Musikalisch grad mal um die fünf akkorde und eigentlich nicht so belesen, wenn ma uns ehrlich san. Aber er hat in ernst molden sowas wie einen mentor und doch gleichberechtigten freund. Das beruhigt mich sehr und hat in der tonspurensendung nino auch mir nahgebracht. Also jetzt passts mit dem nino und ich brauch mir ums österreichische chanson keine wirklich ernsthaften sorgen mehr zu machen. Gut, am wahren intellekt und der endgültigen aussagekraft mangelts hint und vorn vielleicht noch ein bisschen. Da fragt man sich leidenschaftslos: was ist gschwinder – die tötende zigarette oder die unmittelbare lebenserfahrung. Und in dem punkt könnte man abwarten, bis nino mal nimmer so hip ist und er dann nolens volens mit dem wahren leben konfrontiert wird. Was will es uns sagen, dass die produktivität vom nino schon jetzt mit 30 (?) dermaßen eklatant ist (quantitativ jetzt, die qualität kann ich ob unkenntnis des gesamtwerks nicht abschätzen). Üblicherweis ist es ein zeichen, dass er nicht lang zeit hat. Aber danzer hatte auch genug zeit. So hart wies klingt, es zu sagen. Also ich wünsch dem nino die zeit, die auch ein danzer und ein hirsch hatten.
Ach ich wollt noch beschreiben, wie entzückend – fast linkisch – sich nino förmlich mit den fingerspitzen ins f-förmige-schallloch seiner zugegebenermaßen wirklich einzigartig attraktiven sonnengelben gitarre verknallt und verkrallt, auf der bühne. Er hat eine superband hinter sich, man hat das gefühl, die akkorde schlägt er nur aus optischen gründen an: damit das super mega klasse instrument, das über ihn drübergehängt ist und ihn eigentlich wie eine schusssichere weste umhüllt und einnimmt, zumindest dann und wann seiner wirklichen bestimmung – und sei dies auch auf eine dermaßen potjomkinsche weise – zugeführt wird, ja. Macht nix nino: er ist insgesamt knuffig und weiß es. Es kommen auch gewisse assoziationen an adam green hoch. Dylan? Nicht vom äußeren her, dazu müsste er noch mehr lesen. Aber das war auch so ein schönes element in den tonspuren: der moment, als ihm einfällt, welches lied es von dylan eben wäre, das er umsetzen würde – im rahmen des klubs der toten übersetzer. In dem sinn; danke dass er mir/uns hörern nahgebracht wurde im rahmen dieser Ö1-tonspuren sendung.
Ergänzung: erst nach fertigstellung dieser neuen story habe ich mir den verlinkten querverweis durchgelesen und find die parallelen erstaunlich. Es liegen genau sieben monate dazwischen, es werden rundum selbe namen genannt und genauso argumentiert. Also nur für wer sich auch diese arbeit macht. Die neue story ist unbeeinflusst von der alten. Trotz der parallelen. Es dürften sich die umständ verändert haben, aber ich mich nicht allzusehr, oder das kulturleben nicht allzusehr. Na, egal jezz. pic by gianfrancodebei,pixabay; 848w

358-Hammas_Anders

Beim winterlichen ausmisten fällt mir ein kurier-ausschnitt des 1mai16 in die hand, mit screenshot von glavinics FB. Ich erlaube mir zu zitieren: ‚diese selbstgefälligkeit, diese moralische selbstüberhöhung, diese selbstzweifelsfreie gewaltsprache, mit der hier menschen, die ich für intelligent halte, alle wähler von n.hofer in bausch und bogen als na*is, pack, bagage und abschaum niedermachen, ist mir zuwider[..]miteinander reden, auch wenn man unterschiedliche standpunkte hat, scheint schon zu einer obszönität herabgekommen zu sein.‘ – so der textfeste, authentisch-kernige und geniale thomas glavinic in seinem fußbook, vom kurier zitiert.
Ich schließ da ganz an das an, was pilz in der vorigen story (gleichfalls kurier ivw) gesagt hat. Das zugegebenermaßen desaströse wahlergebnis (NR) ist eben die watsche dafür, dass man den kleinen mann und den kleinen prolo und die kleine pensionierte proletin nur mehr geheim in der wahlzelle ‚reden‘ lässt. Deren grundtenor: alles muss anders werden: gut – Jetzt hammas anders!
Das volk („Volk“) verharrt in einer ängstlichen duldungsstarre. Den zustand beschrieb ich ganz gut in der story ‚betriebs_rad‘. Wir wissen, dass, was kommt, sehr sehr dunkel ist. Nur auf den ersten schein triffts die asylwerber. Der dunkle schatten der rücksichtslosen sparmaßnahmen wird aber wie ein rollender tsunami auf alle ausgebreitet werden, die nicht das katalogleben nach schema F vollziehen. Also etwa alleinerziehende mütter in einer wohngemeinschaft. Wenn da wer auf BMS ist, wird gedeckelt. Die ganze WG darf nicht mehr als 1500 kriegen. Das sind nur so symptome, die weiter zu einer massenverarmung führen. Und immer noch hat schelling den todesstoß für die heilige kuh der notstandshilfe in der schublade. Wird er den schmarrn ausspielen? Damit ist er nämlich die hälfte der lästigen bezieher los: die sollen schauen wie sie weiterkommen. Dass ich derzeit eine wirklich hübsche arbeit hab, lässt mich das eher erste-reihe-fußfrei ansehen. Garkeine so schlechte perspektive, um einen großen schwarzen schatten zu beschreiben. Was machen asylanten: zu tausenden abtauchen, in den untergrund. Was machen verzweifelt ältere-aktiv-arbeitssuchende? Ich weiß nicht ich weiß es echt nicht. Schwarzhackeln, was man ihnen sowieso unterstellt? Oder den letzten weg, wie in deutschlands schinders liste angekündigt? Jene verschwindenden, deren ursache man nicht weiß. Es hilft hier nur noch, kryptisch zu werden.
Drum lassts den leuten ihren zorn und lasst sie diesen auch ausdrücken. La verité flotte toujours comme de l‘huile sur l‘eau.
EDIT vier tage später kann ich anschlusslos an ein interview mit robert pfaller zu ‘adult language’ auf Ö1 anschließen. der schönsprech geht von der elite aus. er nennts elite, ich sag: intelligentsia. klar verfügt nicht jeder über den dafür notwendigen wortschatz. während die arbeitswelt immer brutaler, immer straighter, tougher wird, übt sich die hipster- und gutmensch-intelligentsia im schönsprech. er hat übrigens auch nicht den begriff gutmensch erwähnt, damit ist man ja gleich in der rue-de-gaque. ja und diese mittdreißiger hipster-elite ist sich sehr wohl dessen bewusst, dass kaum einer von ihnen – also eigentlich nur die mit den spitzesten ellbögen – jene topjobs erreichen, die einem einst automatisch, systemimmanenterweise in den schoß fielen, hatte man dafür einfach nur das zureichende sitzfleisch. also auch der intelligentsia wohnt eine grundangst und auch grundfrustration inne, über diese tatsache. entsprechend blasiert arrogant lässt sie sich über die plebs, das einfache volk aus und verbietet ihm den mund. rache erfolgt per wahlkabine: stumm, stoisch, scheinbar duldsam, lakonisch. 535w

357-Sprachpolizei_Niederbulldozern

im qvw-welle schrieb ich bereits übers sprachpolizei phänomen, dass mit dem polierten und oft doch so scheinheiligen schönsprechzwang diskussionen abgewürgt und weiterführende repliken vermieden werden. Anstatt mir also fundiert und produktiv aneinander wachsend faktisch kontra zu geben, stieß man sich an meiner verwendung des begriffs ‚welle‘. Und das in einem diskurs, in dem ich mir doch ohnehin so redlich mühe gegeben hatte, schön zu sprechen. Man geht in eine gutmenschdiskussion goa ned erst als kritiker rein, sondern es finden sich dort nur die wackeldackelköpfe zusammen, die während der 70er-jahre im ford hinten auf der fensterbank platziert waren.
Im heutigen kurier ivw von pilz sagt er genau das: ich erlaube mir, zu zitieren – „wir müssen aufpassen, dass aus unserer freien gesellschaft nicht ein sprachpolizeistaat wird. Wenn man versucht, große politische debatten zu unterbinden, indem man sprachpolizei spielt, dann geht es nicht darum, dass ein wort vielleicht verletzend ist, sondern um die debatte selbst abzuwürgen“ (source: pilz interview s.5, kurier 10nov). Hier geh ich davon aus, dass nicht der parishöschen-sager gemeint ist, sondern zahllose debatten von pilz mit seinen einstigen grünen, wo ihm gewisse begriffe mit sanfter gewalt untersagt worden sind, anstatt dass man sich inhaltlich mit dem gesagten auseinander gesetzt hätte: das sind scheinheilige, willfährige ausflüchte.
Was ist denn nun der effekt von dem ganzen sprach- und nervenzerfetzenden genderei-getue. Es hat nur zur folge, dass es die bevölkerung anzipft und diese uns erst recht eine reihe an echten, gestandenen recken ins parlament reinwählt, die keinen deut auf fairness geben und für die asylantragsteller im selben atemzug mit nun arbeitssuchenden, ehemaligen leistungsträgern genannt werden: und zwar als allererste, die in den nächsten (fünf?) jahren auf der sozialen abschussliste stehen. Deswegen sind die gendergetriebenen euphemismuskaskaden zeitweilig mit dem begriff der scheinheiligkeit verbunden. /288w2242; 3dman_eu/pixabay

356-Mysanto_Franzisko

Vor einer woche musste ich ja leider von einem unglückselig verlaufenen instrumentenkauf berichten, aus dem nichts wurde. Genau ne woche später nämlich geschah genau das gegenteil und jenes instrument genau derselben marke flog förmlich auf mich zu. Völlig absichtslos besuchte ich wiedermal auf willhaben die franzisko-instrumente. Und ganz oben, grad seit 15 min drin, da war meins. Das mir gehören sollte. Ich rief den anton an, der – wie sich später rausstellen sollte – in wahrheit italiener war. Ja, ein gewisser akzent war da schon drin. Geziemt sich das für eine frau, zu einem fremden mann mit akzent ganz allein in die wohnung zu gehen? Ich hatte skrupel, aber das telefonat war wirklich freundlich. Er hatte sofort zurückgerufen, weil er bei meinem anruf versuch nicht abgehoben hatte. Es ist der nebenbezirk. Das instrument ist einwandfrei (jenes der vorwoche hatte kratzer am rücken gehabt), es ist 20 teurer als das der vorwoche. Das macht nix: ich WILL diese marke schon ne kleine ewigkeit haben. Der anton bietet dazu sogar ein etui an. Das ist wurscht, ich hab ein eignes – nehme es mit: für alle fälle. Die gasse auf anhieb erreichbar, dank seiner beschreibung finde ich sofort die tür. Da steht es. Natürlich mit oxidierten klangelementen. Es macht nix. Da kommen eh neue drauf. Die hab ich zuhaus sogar bereits auf lager. Den kaufpreis überreich ich im kuvert, zähls ihm aber dann doch vor. Es ist ein spanisches instrument, er hätts vor 5-6 J in rom gekauft. Das etikett spricht von wolfsberg, aber nem verkäufer mit italienischem namen. Ich red natürlich alles italienisch mit dem anton. Nie vergess ich: anton greift nochmal zum abschied über alle klangelemente – den letzten akkord. Warum der verkauf, frag ich: er sei auf ‚countrymusic‘ umgestiegen, da brauche er was andres. Das instrument ist in so nem einwandfreien zustand: man merkt, es wurde gepflegt und hatte nur ihn als vorbesitzer. Kein vergleich zu dem belämmerten familypapa der letzten woche, der nur kasperl seiner kinder ist und sogar willhaben-verkäufe in den sand setzte mit seiner unzuverlässigkeit. Ich geh recht bald weg von anton, aber in jedem fall wars in den wenigen kaufminuten eine harmonie wo ich sag: ja von diesem mann will ich gern ein instrument nehmen. Also der war jetzt nicht mega-attraktiv oder was, aber es war die schwingung, die gemeinsame; die sprache. Ja und dann geh ich heim, statte das markeninstrument mit seinen neuen klangelementen aus, pflege und öle das ganze ding. Schnell passt es sich an mich an, es fühlt sich so samtig an; klingt auch passabel – so gut oder mittel wie ich eben musizieren kann. /425w2239

355-ZipZip_Zilip_Zipzilonikah

ich bin willhaben-addicted und ich hab einen latenten sammlertrieb, welcher sich auch auf sanfranzisko-instrumente bezieht. Die sind recht groß, ich sag nicht, um welches instrument es sich handelt weil wegen dera diskretion warats. Also dieses instrument ist körperähnlich-groß und man sollte doch nicht mehr als zwei haben von diesen dingern, wenn man normal wohnt und nicht in einem schloss.
Aber der teufel schläft nicht und keck lachte mich auf willhaben ein drittes an. Es beeindruckte die marke, denn es war kurioserweise ohne foddos inseriert – unter hundert teuronen. Ich kontaktier den verkäufer und suggerier ihm, bitte tuans kane foddos rein weil i wü ned dass es mir jetzt noch wer wegschnappt. In der folge hatte der verkäufer wirre ideen, wann ich denn das instrument abholen solle. Einmal etwa spontan bei regen direkt nach einem burnout-bürotag und ohne etui. Ein andres mal flattert ein sms rein um 11.52 am feiertag: bitte instrument noch vor der mittagszeit holen weil wir fahren dann auf ausflug. Letztlich einigte man sich: an einem freien tag in der früh, zehn bis halbelf. Pflichtbeflissen transportier ich mich – übernachtig und ungeschminkt – dorthin, endlich das instrument abholen. Sende ein sms, obs eh noch nicht zu früh ist. Steh an haustür, postler lasst mich rein (ich hatte die wohnungsglocke von unten her noch betätigt). Ich haspl rauf, rufe am handy an. Ich läut direkt an der türglocke. Keine reaktion. Denn abgmacht war, seine kids wollen unterhalten werden, ich solle doch vor halb11 kommen. Verärgert setz ich ein letztes sms ab und zieh unverrichteter dinge ohne das marken-instrument ab. Sitze längst schon in der s-bahn, als der megawappler anruft. Ich sag ihm dass der kauf geplatzt sei. Er kontert mit einer regelrechten kaskade von bis zu 10 sms, welche ich teils noch beantworte und die von dem wahnsinnigen immer mehr unter die gürtellinie gehen. Hinzu kommt noch: er hat dem ding neue klangelemente zu gefügt (id est=besaitet). Ein mensch der das instrument bespannt, verleiht ihm die seele: seine seele nämlich. Er hat das instrument irreversibel entwürdigt, wenn so ne lusche dem instrument neue klangelemente rauftut, dann ist das frevel, ein sakrileg an der markenware. Das instrument war für mich damit ohnehin entwertet. Ich hätte das instrument selber erneut besaiten müssen, bespannen. So ein edles instrument in den händen einer lusche.
Na und was seh ich, kaum dass ich nach sintflutartigen regenfällen wieder abgekämpft zuhause zurück bin? Er hat fotos auf das profil getan, es überarbeitet und teils mit infos versorgt, die ich ihm in unseren langen telefonaten gesagt hatte. Weil er selber is ja voll-lusche und hat garkeine ahnung von so einem instrument. Darüber hinaus hat der verwirrte mann das instrument gleich um 50% teurer gemacht, weil auf willhaben kann mans ja machen. Ich habe den verkäufer dann als unseriös bei der kontaktstelle melden müssen. Ihm selber hatte ich noch ein sms gesandt, dass ich ihn via einer bestimmung aus dem strafgesetzbuch verfolgen lasse, wenn er mir weiterhin mit den infamen sms-kaskaden auf die nerven geht: augenblicklich war dann endlich a ruah. Das arme sanfranzisko instrument. Es hätte zu mir müssen. Es war quasi schon meins. Zwei derartige hab ich ja zuhause. Sie sollen mir genügen: ich werd sie nun mit umso mehr liebe förmlich überschütten. Schmarrn-willhaben-tandler, angrennter./534w,pixabayStevepb

354-Betriebs_Rad

es ist ungefähr 10-12 jahre her, dass ich die angst vor befristeten verträgen verlor, arbeitstechnisch betrachtet. Ich habe also in dieser phase der vertretungen, befristungen und damit zwangsläufig einhergehenden firmenwechsel einerseits das leben in der prekarität kennengelernt, andrerseits versucht, jeweils zu einem günstigen moment mit den dortigen betriebs-brätern in kontakt zu treten. Mir sind dabei einige elemente aufgefallen, die ich nun komplett anonymisiert griffig, wie es ja auch sonst meine art ist, subsumieren will.
Das betriebs-rad ist grundsätzlich eine institution, vor der man angst hat: man hat angst, dort anzustreifen oder sie zu kontaktieren, wie man ja auch vor der cheferei nicht kundtun will, dass man als alter hase (alte wölfin in dem fall) so ganz nebenbei auch ein klitzekleines, bescheidenes gewerkschaftsmitglied zu sein vermag. Das alles wird als eine (be)drohung empfunden, dem arbeitgeber gegenüber. Also mund halten, nicht anstreifen – ein anstreifen keinesfalls kundtun. in diesen vielen, vielen jahren seither ist es mir selber fallweise passiert, dass ich etwa in phasen der radlosigkeit erst dann das betriebsrad aufsuchte, wenn es schon sehr spät war – zu spät war. Eine definitive kündigung im hause oder das ankündigen einer nicht-weiteren fristverlängerung. (thematisierung kettenverträge würde länge des vortrags sprengen). Man kontaktiert das betriebsrad also, wenn die arbeitsumstände dermaßen die gesundheit angreifen, dass man förmlich in gefahr geriete, fast suiz*dale anwandlungen zu erleiden. Also das kontaktieren eines betriebs-rades wird grundsätzlich zu spät getätigt. Wie aber geht das betriebsrad mit dem armen menschlein um, das nunmehr wimmernd um die letzte hülfe ansucht. Es gibt da gewisse stehsätze, die das opfer trösten sollen. Der eleganteste – und gleichzeitig unwahrste – stehsatz lautet: ‚ja ich weiß dass das hier alles scheiße ist und ich erwog selbst schon die dienstnehmerkündigung‘. Geniale masche. Der ist ja rauswerfgeschützt. Na dumm wird er sein. Betriebsrad sein, das ist eine eitelkeitsgeschichte. Nämlich wer freundelt am meisten und zieht mehr stimmen an land. Oft ist das gründen einer zweiten liste eine watsche für das betriebsrad. Das betriebsrad tritt auf wie ein könig mit seinem gefolge, triumphierend und geheimnisvoll – auf der jährlich einberufenen versammlung vor publikum. Das publikum indessen schart sich – förmlich wie eine horde paralysierter hasen vor der schlange – hinten im raum. Und obwohl generös weit mehr sitzgelegenheiten als für die anwesenden nötig zur verfügung stehen würden, so sind doch nur die hinteren reihen besetzt: wer später kommt, stellt sich in engst gesteckten, ängstlichen reihen noch weiter hinten hin, förmlich eingezwängt zwischen letzter sesselreihe und raum-mauer. Denn jeder der sich nach vorne in die nähe der vortragenden betriebsbräter setzt, sitzt im verdacht, mit denen zu tun zu haben, also kündigungsgefährdet, versetzungsgefährdet oder sonst was asoziales zu sein. Betriebsbräter haben im leben nur drei sorgen. Die wiederwahl. Das xmasfest. Der betriebsausflug. Augenauswischereien, freundliche scheinheiligkeiten. Suggerieren dass alles gut ist, wahre probs werden zumindest vor verrammelter häsisch eingeschüchterter gesamtbelegschaft nicht thematisiert. Wo samma denn. Geht uns doch allen gut hier. Schwamm drüber und decken drüber. Echt geredet wird nur im kämmerlein. Nun und alle betriebsbräter die mich hier – hoffentlich nicht – je wiedererkennen: seids nicht beleidigt, nicht traurig und vor allem nicht bös. Es ist wie in meiner howtoLokal story. Ein sammelsurium an erlebten worst cases. Jeder trägt nur teilschuld und ja ihr machts eh eine nette arbeit. Es traut sich nur kaner zuwariachn. 513w/Pic by three-shots,pixabay.com