357-Sprachpolizei_Niederbulldozern

im qvw-welle schrieb ich bereits übers sprachpolizei phänomen, dass mit dem polierten und oft doch so scheinheiligen schönsprechzwang diskussionen abgewürgt und weiterführende repliken vermieden werden. Anstatt mir also fundiert und produktiv aneinander wachsend faktisch kontra zu geben, stieß man sich an meiner verwendung des begriffs ‚welle‘. Und das in einem diskurs, in dem ich mir doch ohnehin so redlich mühe gegeben hatte, schön zu sprechen. Man geht in eine gutmenschdiskussion goa ned erst als kritiker rein, sondern es finden sich dort nur die wackeldackelköpfe zusammen, die während der 70er-jahre im ford hinten auf der fensterbank platziert waren.
Im heutigen kurier ivw von pilz sagt er genau das: ich erlaube mir, zu zitieren – „wir müssen aufpassen, dass aus unserer freien gesellschaft nicht ein sprachpolizeistaat wird. Wenn man versucht, große politische debatten zu unterbinden, indem man sprachpolizei spielt, dann geht es nicht darum, dass ein wort vielleicht verletzend ist, sondern um die debatte selbst abzuwürgen“ (source: pilz interview s.5, kurier 10nov). Hier geh ich davon aus, dass nicht der parishöschen-sager gemeint ist, sondern zahllose debatten von pilz mit seinen einstigen grünen, wo ihm gewisse begriffe mit sanfter gewalt untersagt worden sind, anstatt dass man sich inhaltlich mit dem gesagten auseinander gesetzt hätte: das sind scheinheilige, willfährige ausflüchte.
Was ist denn nun der effekt von dem ganzen sprach- und nervenzerfetzenden genderei-getue. Es hat nur zur folge, dass es die bevölkerung anzipft und diese uns erst recht eine reihe an echten, gestandenen recken ins parlament reinwählt, die keinen deut auf fairness geben und für die asylantragsteller im selben atemzug mit nun arbeitssuchenden, ehemaligen leistungsträgern genannt werden: und zwar als allererste, die in den nächsten (fünf?) jahren auf der sozialen abschussliste stehen. Deswegen sind die gendergetriebenen euphemismuskaskaden zeitweilig mit dem begriff der scheinheiligkeit verbunden. /288w2242; 3dman_eu/pixabay

356-Mysanto_Franzisko

Vor einer woche musste ich ja leider von einem unglückselig verlaufenen instrumentenkauf berichten, aus dem nichts wurde. Genau ne woche später nämlich geschah genau das gegenteil und jenes instrument genau derselben marke flog förmlich auf mich zu. Völlig absichtslos besuchte ich wiedermal auf willhaben die franzisko-instrumente. Und ganz oben, grad seit 15 min drin, da war meins. Das mir gehören sollte. Ich rief den anton an, der – wie sich später rausstellen sollte – in wahrheit italiener war. Ja, ein gewisser akzent war da schon drin. Geziemt sich das für eine frau, zu einem fremden mann mit akzent ganz allein in die wohnung zu gehen? Ich hatte skrupel, aber das telefonat war wirklich freundlich. Er hatte sofort zurückgerufen, weil er bei meinem anruf versuch nicht abgehoben hatte. Es ist der nebenbezirk. Das instrument ist einwandfrei (jenes der vorwoche hatte kratzer am rücken gehabt), es ist 20 teurer als das der vorwoche. Das macht nix: ich WILL diese marke schon ne kleine ewigkeit haben. Der anton bietet dazu sogar ein etui an. Das ist wurscht, ich hab ein eignes – nehme es mit: für alle fälle. Die gasse auf anhieb erreichbar, dank seiner beschreibung finde ich sofort die tür. Da steht es. Natürlich mit oxidierten klangelementen. Es macht nix. Da kommen eh neue drauf. Die hab ich zuhaus sogar bereits auf lager. Den kaufpreis überreich ich im kuvert, zähls ihm aber dann doch vor. Es ist ein spanisches instrument, er hätts vor 5-6 J in rom gekauft. Das etikett spricht von wolfsberg, aber nem verkäufer mit italienischem namen. Ich red natürlich alles italienisch mit dem anton. Nie vergess ich: anton greift nochmal zum abschied über alle klangelemente – den letzten akkord. Warum der verkauf, frag ich: er sei auf ‚countrymusic‘ umgestiegen, da brauche er was andres. Das instrument ist in so nem einwandfreien zustand: man merkt, es wurde gepflegt und hatte nur ihn als vorbesitzer. Kein vergleich zu dem belämmerten familypapa der letzten woche, der nur kasperl seiner kinder ist und sogar willhaben-verkäufe in den sand setzte mit seiner unzuverlässigkeit. Ich geh recht bald weg von anton, aber in jedem fall wars in den wenigen kaufminuten eine harmonie wo ich sag: ja von diesem mann will ich gern ein instrument nehmen. Also der war jetzt nicht mega-attraktiv oder was, aber es war die schwingung, die gemeinsame; die sprache. Ja und dann geh ich heim, statte das markeninstrument mit seinen neuen klangelementen aus, pflege und öle das ganze ding. Schnell passt es sich an mich an, es fühlt sich so samtig an; klingt auch passabel – so gut oder mittel wie ich eben musizieren kann. /425w2239

355-ZipZip_Zilip_Zipzilonikah

ich bin willhaben-addicted und ich hab einen latenten sammlertrieb, welcher sich auch auf sanfranzisko-instrumente bezieht. Die sind recht groß, ich sag nicht, um welches instrument es sich handelt weil wegen dera diskretion warats. Also dieses instrument ist körperähnlich-groß und man sollte doch nicht mehr als zwei haben von diesen dingern, wenn man normal wohnt und nicht in einem schloss.
Aber der teufel schläft nicht und keck lachte mich auf willhaben ein drittes an. Es beeindruckte die marke, denn es war kurioserweise ohne foddos inseriert – unter hundert teuronen. Ich kontaktier den verkäufer und suggerier ihm, bitte tuans kane foddos rein weil i wü ned dass es mir jetzt noch wer wegschnappt. In der folge hatte der verkäufer wirre ideen, wann ich denn das instrument abholen solle. Einmal etwa spontan bei regen direkt nach einem burnout-bürotag und ohne etui. Ein andres mal flattert ein sms rein um 11.52 am feiertag: bitte instrument noch vor der mittagszeit holen weil wir fahren dann auf ausflug. Letztlich einigte man sich: an einem freien tag in der früh, zehn bis halbelf. Pflichtbeflissen transportier ich mich – übernachtig und ungeschminkt – dorthin, endlich das instrument abholen. Sende ein sms, obs eh noch nicht zu früh ist. Steh an haustür, postler lasst mich rein (ich hatte die wohnungsglocke von unten her noch betätigt). Ich haspl rauf, rufe am handy an. Ich läut direkt an der türglocke. Keine reaktion. Denn abgmacht war, seine kids wollen unterhalten werden, ich solle doch vor halb11 kommen. Verärgert setz ich ein letztes sms ab und zieh unverrichteter dinge ohne das marken-instrument ab. Sitze längst schon in der s-bahn, als der megawappler anruft. Ich sag ihm dass der kauf geplatzt sei. Er kontert mit einer regelrechten kaskade von bis zu 10 sms, welche ich teils noch beantworte und die von dem wahnsinnigen immer mehr unter die gürtellinie gehen. Hinzu kommt noch: er hat dem ding neue klangelemente zu gefügt (id est=besaitet). Ein mensch der das instrument bespannt, verleiht ihm die seele: seine seele nämlich. Er hat das instrument irreversibel entwürdigt, wenn so ne lusche dem instrument neue klangelemente rauftut, dann ist das frevel, ein sakrileg an der markenware. Das instrument war für mich damit ohnehin entwertet. Ich hätte das instrument selber erneut besaiten müssen, bespannen. So ein edles instrument in den händen einer lusche.
Na und was seh ich, kaum dass ich nach sintflutartigen regenfällen wieder abgekämpft zuhause zurück bin? Er hat fotos auf das profil getan, es überarbeitet und teils mit infos versorgt, die ich ihm in unseren langen telefonaten gesagt hatte. Weil er selber is ja voll-lusche und hat garkeine ahnung von so einem instrument. Darüber hinaus hat der verwirrte mann das instrument gleich um 50% teurer gemacht, weil auf willhaben kann mans ja machen. Ich habe den verkäufer dann als unseriös bei der kontaktstelle melden müssen. Ihm selber hatte ich noch ein sms gesandt, dass ich ihn via einer bestimmung aus dem strafgesetzbuch verfolgen lasse, wenn er mir weiterhin mit den infamen sms-kaskaden auf die nerven geht: augenblicklich war dann endlich a ruah. Das arme sanfranzisko instrument. Es hätte zu mir müssen. Es war quasi schon meins. Zwei derartige hab ich ja zuhause. Sie sollen mir genügen: ich werd sie nun mit umso mehr liebe förmlich überschütten. Schmarrn-willhaben-tandler, angrennter./534w,pixabayStevepb

354-Betriebs_Rad

es ist ungefähr 10-12 jahre her, dass ich die angst vor befristeten verträgen verlor, arbeitstechnisch betrachtet. Ich habe also in dieser phase der vertretungen, befristungen und damit zwangsläufig einhergehenden firmenwechsel einerseits das leben in der prekarität kennengelernt, andrerseits versucht, jeweils zu einem günstigen moment mit den dortigen betriebs-brätern in kontakt zu treten. Mir sind dabei einige elemente aufgefallen, die ich nun komplett anonymisiert griffig, wie es ja auch sonst meine art ist, subsumieren will.
Das betriebs-rad ist grundsätzlich eine institution, vor der man angst hat: man hat angst, dort anzustreifen oder sie zu kontaktieren, wie man ja auch vor der cheferei nicht kundtun will, dass man als alter hase (alte wölfin in dem fall) so ganz nebenbei auch ein klitzekleines, bescheidenes gewerkschaftsmitglied zu sein vermag. Das alles wird als eine (be)drohung empfunden, dem arbeitgeber gegenüber. Also mund halten, nicht anstreifen – ein anstreifen keinesfalls kundtun. in diesen vielen, vielen jahren seither ist es mir selber fallweise passiert, dass ich etwa in phasen der radlosigkeit erst dann das betriebsrad aufsuchte, wenn es schon sehr spät war – zu spät war. Eine definitive kündigung im hause oder das ankündigen einer nicht-weiteren fristverlängerung. (thematisierung kettenverträge würde länge des vortrags sprengen). Man kontaktiert das betriebsrad also, wenn die arbeitsumstände dermaßen die gesundheit angreifen, dass man förmlich in gefahr geriete, fast suiz*dale anwandlungen zu erleiden. Also das kontaktieren eines betriebs-rades wird grundsätzlich zu spät getätigt. Wie aber geht das betriebsrad mit dem armen menschlein um, das nunmehr wimmernd um die letzte hülfe ansucht. Es gibt da gewisse stehsätze, die das opfer trösten sollen. Der eleganteste – und gleichzeitig unwahrste – stehsatz lautet: ‚ja ich weiß dass das hier alles scheiße ist und ich erwog selbst schon die dienstnehmerkündigung‘. Geniale masche. Der ist ja rauswerfgeschützt. Na dumm wird er sein. Betriebsrad sein, das ist eine eitelkeitsgeschichte. Nämlich wer freundelt am meisten und zieht mehr stimmen an land. Oft ist das gründen einer zweiten liste eine watsche für das betriebsrad. Das betriebsrad tritt auf wie ein könig mit seinem gefolge, triumphierend und geheimnisvoll – auf der jährlich einberufenen versammlung vor publikum. Das publikum indessen schart sich – förmlich wie eine horde paralysierter hasen vor der schlange – hinten im raum. Und obwohl generös weit mehr sitzgelegenheiten als für die anwesenden nötig zur verfügung stehen würden, so sind doch nur die hinteren reihen besetzt: wer später kommt, stellt sich in engst gesteckten, ängstlichen reihen noch weiter hinten hin, förmlich eingezwängt zwischen letzter sesselreihe und raum-mauer. Denn jeder der sich nach vorne in die nähe der vortragenden betriebsbräter setzt, sitzt im verdacht, mit denen zu tun zu haben, also kündigungsgefährdet, versetzungsgefährdet oder sonst was asoziales zu sein. Betriebsbräter haben im leben nur drei sorgen. Die wiederwahl. Das xmasfest. Der betriebsausflug. Augenauswischereien, freundliche scheinheiligkeiten. Suggerieren dass alles gut ist, wahre probs werden zumindest vor verrammelter häsisch eingeschüchterter gesamtbelegschaft nicht thematisiert. Wo samma denn. Geht uns doch allen gut hier. Schwamm drüber und decken drüber. Echt geredet wird nur im kämmerlein. Nun und alle betriebsbräter die mich hier – hoffentlich nicht – je wiedererkennen: seids nicht beleidigt, nicht traurig und vor allem nicht bös. Es ist wie in meiner howtoLokal story. Ein sammelsurium an erlebten worst cases. Jeder trägt nur teilschuld und ja ihr machts eh eine nette arbeit. Es traut sich nur kaner zuwariachn. 513w/Pic by three-shots,pixabay.com

353-Howto_Lokal

howto-not-lokal sollte die story doch viel eher heißen. Sie bezieht sich auf all die faux pas, die in lokalen gegenüber wertvollen gästen begangen werden. Es ist dies ein sammelsurium und basiert in erster linie auf einem meiner stammlokale, wird aber erweitert durch fauxpas aus lokalen, die eben garnimmer für einen besuch in fragen kommen.

  1. Respekt gegenüber nichtrauchern. Respektlos ist es etwa, wenn im NR bereich gefragt wird, ob denn dort eh nicht geraucht wird und als antwort stellt man einen aschenbecher hin, weil man meint der gast wolle im nr bereich rauchen. Wie krank ist das jetzt? Suchtkrank. Ich habe fertig.
  2. Man frage einen gast nicht – auch wenn er stammgast ist – ob er einen großen schein (etwa 50er) wechseln könne, weil man grad einen landsmann an der theke hat, der eben nur mit großem schein zahlen kann.
  3. Es ist nicht fremdenfeindlich, wenn wir ösis konstatieren, dass es uns belastet, wenn im lokal, in dem wir sitzen, laut und lange über alle tische zwischen gästen und pächtern in einer – welcher auch immer – fremdsprache geredet wird, sodass das eigene – mit verlaub – noch deutschsprachige gespräch keinerlei chance auf sinnbringende fortsetzung hat.
  4. es ist verachtung gegenüber dem konsumwilligen gast, wenn man schon 40 min vor lokalschluss demonstrativ die kaffeemaschine zu putzen beginnt. Eine saubergemachte kaffeemaschine bedeutet nämlich, ab heute gibt’s hier keinen kaffee mehr oder höchstens unter schmerzerfülltem stöhnen und damit ganz unwillig.
  5. auch wenn man im lokal oft allein sitzt, auf gäste wartend, hat man sich nicht zum totschlagen seiner zeit einen fernseher hinzustellen. Und dies vielleicht auch noch brüllend in der muttersprache. Weil dort muss man ja die soap operas dann laut drehen, damit einen die störenden gäste keine preziose folge versäumen lassen.
  6. um zu suggerieren im lokal sei was los, wird gern fürs ambiente hintergrundmusik geschalten. Die wahrscheinlichkeit dass sich diese kongruent mit der momentanen stimmung aller verschiedenen gäste auf einmal trifft liegt bei rund 0,37 %. besonders tragisch wird es dann, wenn man plötzlich die schnapsidee hat, von seinem land zu erzählen, weil man heimweh hat – und damit unterbricht man rücksichtslos vertiefte gespräche der gäste, die aber, weil sie ja freundlich sein wollen, zuhören müssen, obwohl sie grade was belastendes oder was dringend geschäftliches besprochen haben. Sorry das geht einfach garnicht. Hirn einschalten wäre da eine durchaus akzeptable option.
  7. man hat als pächter nicht drüber wehzuklagen, wie weh einem die steuern tun und dass die wenigen gäste das nie hereinbringen würden. Weil das ist wie in der schule. Lehrer regt sich bei anwesenden schülern über die abwesenheit der abwesenden auf. Na dann bleiben die eben künftig auch abwesend, weil wie kommen die dazu.
  8. man hat gästen tunlichst nicht vorzuschreiben, wo sie sich hinzusetzen haben. Wer glaubtsn es wers es sads!!? es gibt leute die sitzen nur mit gedecktem rücken und müssen dann verunsichert mit offenem rücken sitzen. Und glatt fällt ihnen dann wer in den rücken. Auf derlei lokale kann man jetzt aber echt herzlich gern verzichten! „Sind sie schon platziert“ lautet hier die rauswerffrage. Weil wieso für sowas auch noch zahlen. Wir sind nicht vieh vor der schlachtbank, sondern zahlende kunden und damit könig. Oder rutschts uns den buckel runter, weil es gibt nämlich alternativen. In amerika ist die ultimative alternative ‚fastfood‘. Weil da habens freie platzwahl.
  9. manche lokale wären so generös mit schützenden nischen und winkerln ausgestattet, die einerseits keinen klapprigen küchenlärm, andrerseits keinen sonstigen trubel aufweisen. lieblingsplätze erholungsbedürftiger gäste also. und was machen die findigen besitzer? sie stellen sperrseile auf, dass man da nicht hin darf. sie treiben die gäste – ebenso wie stupide rinder – in die hauptgänge und zwingen sie, mitten im trubel platz zu nehmen, damit dann nicht die tische in den nischen nach ihnen gereinigt werden müssen. auch solche gästeverachtenden etablissements werden nicht mehr von vergrämten kunden aufgesucht.
  10. das lokal hat nicht zum kindergarten der eigenen kinder zu werden. Denn kinder buhlen um die aufmerksamkeit der gäste, sie machen da keinen unterschied. Es hat aber nicht jeder, der reingeht, lust, bei des kindes aufmerksamkeitsheischenden spielchen mitzutun. Nur schwache machen das: weil sie wieder einmal freundlich sein wollen! Diesen lokalbesuch hätte man sich also auch sparen können. Kinderliebe nun hin oder her. /66w2214_Pixabay/jamesdemers

352-Arbeitskreis_Archivforschung

ein revival. (archivvahrheiten künftig im rubrik LINGUISTIK) Ich durfte gestern tatsächlich noch den initiator obigen arbeitskreises archivforschung nicht nur ausfindig machen sondern auch kurz zumindest telefonisch interviewen. Es handelt sich dabei um einen herrn see** aus der schönen steiermark. Mit dem 18. oktober 1987 will ich den gründungstag des arbeitskreises archivforschung festmachen. Ja, er wurde 1987 gegründet. Und er lief elf jahre, nämlich bis 1998. in diesen elf jahren fanden die ersten schritte in richtung der digitalisierung statt. Und völlig genuin, blauäugig, ungebremst und ohne zensur will ich nun die interviewfragmente mit jenem besagten herrn wiedergeben. Wenn der herr see* zu einem archiv kam, hieß es meist: WAS wollen sie, was wollen sie konkret, was suchen sie. Der herr see war mit dem österr. Staatsarchiv in kontakt, dem bundeskanzleramt sogar, einem kulturverein, dem finanzministerium gar, oder einem herrn von dort, mit dem herrn busek; eine studie der OeNB hätte es gegeben, wird mir erzählt. Ein programm für die österreich-werbung. Frage: wie greifen bundesländer und bezirke auf archive zu. (periphere assoziationen zum zentrum-für-verwaltungsforschung werden in mir wach). Grundlagenforschung zu 100-jahre-österreich wurde betrieben. Am ende war das dann nicht mehr wie vorgestellt finanzierbar – das projekt musste also bedauernswerterweise vor 19 jahren schlafen geschickt werden. Bis jetzt.
Jetzt, dem moment nämlich, wo‘s in der hiesigen wiederaufnahme darum geht, haptische bücher wieder ihrer wertigkeit zuzuführen. Das verfügbarsein von scans ist gut und schön, aber haptisch in einer encyclopedia britannica in ein und demselben band alles über muslimischen glauben, judentum und languages (buchstaben J_(k)_L_M) etwa in band 22 zu finden, haptisch die anzahl an seiten zu begreifen, wo das drinsteht, sich suhlen dürfen in dem text, ohne mittels scrollen das gefühl zu haben, einen teil des textes wieder zu verlieren und sich durch die elektromagnetischen schwingungen des screens zur eile genötigt zu fühlen, in der physischen encyclopedia also zu wühlen zu blättern, die blätter zu fühlen – das hat einen sex appeal, einen rein intellektuellen, nicht physiologischen. Verzeihtsma die syntax des vorangegangenen satzes. Es musste jetzt sein. Ich wollt damit die wichtigkeit des upgedateten arbeitskreises archivforschung unbescheiden verdeutlichen.
Qvw: redundanz 338w

351-Magic_Mushroom_Revenge

die rache der alten leute, auch so könnte der beitrag heißen und er schließt nahtlos an einen beitrag an, den ich vor meiner großen sommerlichen schreibkrise verfasst hatte: an die grünen sturzflieger (suche: 340-). Ich erinnere dran, dass auch öllingers absageln damals sehr unelegant verlaufen war. Ein dunkelgelockter schmatzebussibär (referenz ans GR-plakat, das mit einen NR soviel zu tun hatte wie chinas vielzitierter reissack mit amsterdams gestohlenem fahrrad) war in den NR eingezogen und die erste feststellung lautete, das plenum würde neue sessel brauchen, designersessel nämlich. Die kann er nun haben, das knuffige bussibärli, nur wird er selber nicht da drinnen sitzen. Er könnte aber draußen seine angefangene lehre abschließen und das leben von unten kennenlernen. Nur zum beispiel.
Aber kommen wir zurück zum stoff. Der welt ists egal, wie die drei großen gestern abschnitten. Jeder redet davon, dass pilz letztlich die grünen aus dem parlament gekickt hat. Nur weil man ihm den 4. listenplatz nicht zugestehen hatte wollen. Jetzt hat er einen ersten listenplatz. Es ist endlich zeit, dass die grünen mit ihrer blauäugigkeit eine aufs aug brauchen, sodass es grün und blau anläuft. Ja es tut mir leid um manche. Manche, die ich lieb gewann. Eine judith schwentner, birgit schatz, lukas wurz – und der geniale öllinger, der aber ohnehin aus dem parlament austrat. Per definitionem bin ich ja zwischenzeitlich rot geworden. Wie viele in wien übrigens. Was kümmert uns da schon ein silberstein. Wir haben wahrhaft andere baustellen.
Es ist trotzdem genugtuung für mich. Es ist schad um das linke element im parlament – ja, aber ich erinnere daran, dass die grünen, als pilz noch bei ihnen war, ihm teils den mund verboten haben, ihm ausdrücke mit sanftem druck ‚untersagt‘ haben. Weil man vor lauter gutmentscherei ja garnimmer gwusst hat, wie man sich jetzt überhaupt noch ausdrücken soll in dera ganzen euphemisiererei da. Sich umstände schönzureden ist kein lösungsorientierter ansatz. Im großen und ganzen erinnert diese spaltung an kapfenberg einst, als das bzö entstand. Pilz wird auch nicht ewig so jung sein wie heute. Wird er nun leute aus dem vermoosten grünen teich, aus dem sumpf bessergesagt, wird er da ein paar betropetzte hochkapazitäten zu sich herüberziehen, am nassen haarschopf begossener pudel? Und wenn ja, wer ist dann der verräter an wem? Es ist eine der am schönsten inszenierten kamikazen der politischen menschheitsgeschichte. Erst sprengt man sich die jungen ab, die dann unter jeanne d‘arc petrik zu den commies ziehen mit wehenden fahnen (wer weiß für wie lang), und dann bindet man sich einen sprengenden gürtel um, weil man wem den vierten platz nicht zugestehen will. Solche drehbücher entstehen sonst nur für sehr, sehr schlechte filme. Ich finds witzig, dass dieser film mal real wurde. Hauptsach meine sozis san am zweiten. /452w2205; pixabay_sheilovealways

350-Buch_Mit_Augen

verdammt. Du kannst mit deinen augen ganze bücher erzählen .‘ wohl eins der schönsten komplimente, die man bekommen kann. Ich bekams zwar nicht, aber es entstand zumindest im kopf. Es wird praktiziert: mal flirtend, mal ein bisschen schäkernd-mutwillig. Und es basiert auf einer möchte-man-meinen beiläufigen filmszene in der filmgeschichte. Einer-flog-übers-kuckucksnest wurde vor cirka 40 jahren mit einem um 40J jüngeren j.nicholson gedreht. Er ist nicht schön, ja er hat fast einen bösen blick und als mann würd er mir überhaupt nicht gefallen. Aber ich will nun die szene beschreiben, die ich mir förmlich ins blut injiziert hab – und leider die dvd nachher ausgesaugt weggegeben hab, was ich bis heute bereue. Es ist so. nicholson kommt von seinem (vermeintlich?) ersten elektroschock zurück zur gruppe, sie wird grad von miss ratched moderiert. Alle sehen nicholson besorgt an, er bewegt sich wie ferngesteuert. Setzt sich dann hin, macht weiter ‚auf zombie‘. Schlagartig plötzlich löst sich sein starr-verbissener gesichtsausdruck und ER – wie man ihn kennt – ist wieder da. Erleichtertes aufatmen der umgebenden. Und schon macht jack wieder seine späße. Miss ratched reagiert wie üblich erstarrt, stoisch, indigniert und beleidigt. Einmal mehr ist sie von jack veräppelt worden. Jack merkt sofort, jetzt muss er sich zsamreißen, sonst erwarten ihn gleich wieder schwerwiegende konsequenzen. Und da passiert es. Er sieht ratched an. Mit einer art blick, wo mir echt die worte fehlen. Es gibt auch keine schlagworte, wie man das etwa als ausschnitt auf youtube finden könnte. Denn ich will die szene wieder und wieder sehen. Also, ich versuchs: er fährt seinen blick auf ratchett ein – aufmerksam artig, aber pseudoaufmerksam. Das ist ein bissl so ein hin und her, wie ein flattern. Er sagt ihr so viel mit dem blick, er verarscht sie so erbarmungslos mit dem blick und doch ist es alles in allem ja ein aufmerksamer blick, genau wie sie ihn haben will, die böse, stupide, spießige miss ratched! Er sagt garnix, er ist einfach nur aufmerksam. Gedemütigt moderiert sie weiter. Es ist ein klassisches eins-zu-null für nicholson. Das war kein augen-aufreißen. Es war kein brauen heben. Es war vielleicht ein augenaufschlag dabei, aber der war nicht das entscheidende element. Nein, es war viel mehr die energie, der schalk, der durch nicholsons augen herausblitzt, gleichzeitig zwar autoritär gefesselt ist, am ende aber doch obenauf. Mit diesem energiespiel durch die augen (kleiner trick: oberlid bewegen ohne brauenheben, und um gotteswillen ohne ‚dasWeiße‘), schlag ich mich, seit ich das sah, ganz gern durchs leben./406w,pixabay_bones64

349-Reducted_Redundancy

Das archiv ist ein sub. Es ist ein baby, und es ist ausgeliefert. Es wird wachsen, doch nie erwachsen. Es gehört oft keinem menschen, denn irgendwann gehört ein archiv einer institution. Denn ein mensch, der keinen vollblütigen archivar für sein baby findet – ein mensch, der weiß, dass er gehen muss, wenn er gehen muss – der wird das archiv wohlmeinend und in bestem willen einer institution überantworten. Die ist wiederum davon abhängig, ob sich dort menschen einfinden, die dieses archiv lieben, pflegen, belisten und streicheln werden, oder die es mut- und böswillig lapidar vor sich hinrosten lassen.
Das archiv ist ausgeliefert. Es ist ausgeliefert seinen benutzern. Es basiert ganz, ganz viel auf vertrauen. Wenn ein hausfremder benutzer einen bestandteil falsch zurücklegt, dann hat es schon einen schweren knick, dieses archiv. Man geht davon aus, dass es nämlich strikt alphanumerisch aufgebaut ist. Ists das nicht, gibt’s fehlzeichen.
Das archiv beruht in allererster linie auf dem gedanken des haben-wollens. Hauptsache haben wollen, man könne ja später lesen, es wird ja immer da sein. Gelesen wird dann nie. Es ist die zeit nicht vorhanden, denn man ist ja als begnadeter und schon fast stupid-geifender sammler dauernd auf der jagd nach dem nächsten haben-wollen. Das archiv ist der hybrid aus jägern uns sammlern.
das archiv ist die rache des journalisten. Aber was ist die rache des archivs? Es ist die eigene unordnung. Durch seine passivität kann sich das archiv selbst ja nicht mutwillig wehren, aber es gibt seine gesuchten bestandteile nicht frei, wenn es weiß, dass es nicht geliebt wird. Das ist wie ein spiegel. Ein hausfremdling kommt an und will was. Man weist ihn da ein und wendet sich wieder desinteressiert ab. In dem moment wird der vertrauenswürdige hausfremdling die archivarische ordnung auch dementsprechend handhaben. Sieht aber der fremdling: hier ordiniert eine glucke, dann hat er auch den entsprechenden respekt vor dem archiv. Denn das archiv ist der hüter seines eigenen schatzes.
das archiv braucht eine hand und eine seele. Es selbst besteht aus schwingungen. Je nachdem, ob das nun ‚nur‘ was bibliophiles ist oder echte facsimile sachen. Die haben schwingungen. Sie wurden tausendfach von den händen des ursprungs berührt, durchblättert, erneut durchgelesen und umgedreht. Man kann ganz entspannt seine hand auf so ein facsimile legen und die augen schließen, und dabei diese schwingungen spüren. Man darf sich dabei gern unbeobachtet glauben, denn jeder würde denken, man spinnt. In wahrheit ist das eine strikt feinstoffliche angelegenheit; man wird kurz eins mit dem werk, man belebt es für eine minute wieder. Und das ergibt dann, dass man mit einem archiv dahingehend verwächst, dass man mit ihm-als-ganzes durch derlei schwingungs‘spiele‘ eins wird. Also wenn man es gepflegt hat, will man es eigentlich nicht wieder verlassen. Es ist nicht im eigenen besitz, aber man fürchtet die menschen, die sich dessen fortan bemächtigen werden. Üblicherweise überdauert ein archiv menschenleben. Hat man es mal gepflegt, so ist man ein teil dessen geschichte. Gemerkt hab ich das das allererste mal beim einordnen der insidern-bekannten-losen-blattsammlungen von juristen. Sogar über diese schnöden blattsammlungen gibt’s schon ne story auf woelfin.at, weil sie waren schon damals faszinierend: Justitia_Snores
Und ja, der weg 2.0 führt auch dazu, dass dem archiv seine einmaligkeit und verletzlichkeit genommen wird. Ist mal alles eingescannt, können die dadurch von ihrer seele ausgesaugten bücher eigentlich ja genaugenommen getrost den bach runtergehen. In the long run stellt sich aber dann immer raus, man fährt mit dem papier doch besser, am ende des tages. Bibliotheken sprechen davon, dass das einst so bequem liebliche bibliophil-kontemplative element im moment verloren ging, als die elektronischen verwaltungssysteme einzug hielten. Plötzlich ging alles ganz praktisch und schnell – der moment des suchens und damit eins werdens ging verloren. Der mensch konnte den büchern im durchgehen nicht mehr seine schwingungen geben, er ließ nicht zartfühlend seine fingerspitzen über die buchrücken streichen. Sorry, die bücher brauchen das aber. Weil der mensch ja wieder ein spiegel dieser bücher wird. Heute gibt’s archive, die sind urgroß und da fährt so ne zweidimensionale entnehmermaschine durch den gang, die das zeug rauspickt, was man braucht und alles hat einen chip. Wie traurig ist das jetzt bitte. Ja, bei der menge gewiss notwendig, aber dann ist halt die seele ziemlich hinweg. Würd ich der welt mal ein archiv überantworten, ich hätt keine freude, wenn meine sammlerobjekte dann in so einer seelenlos runtergedimmten halle verkämen, in der nie ein mensch atmet.

Die Unscheinbaren Aspekte
das archiv ist unsterblich. Es überdauert, wie oben schon erwähnt, menschenleben und generationen: vorausgesetzt dem beherbergenden gebäude passiert nix! (wie einst in köln).
Das archiv ist unendlich. Es ist darauf konzipiert, immer zu wachsen. Würde man was aus dem archiv rausnehmen, verkaufen oder versteigern lassen – das wäre eine verletzung gegenüber dem archiv. Es zeichnet sich dadurch aus, dass die sachen darin an ihrem richtigen, ihrem endgültigen platz sind. Es gibt keinen platz, wo diese sachen eher sein sollten, als in dieser gesamtheit. Sie bilden miteinander ein organisches ganzes. Die arbeit des auflistens, zusammensuchens, ordnens immer kleinerer elemente darin, die könnte nie enden. Sie ist nach oben offen – jedoch:
das archiv ist unbedankt! Es dankt einem genaugenommen niemand diese fitzelarbeit in so einem archiv. Man geht davon aus, es ist eh da, es ist eh geordnet und ordnet sich quasi von selbst. Ist mal was nicht zu finden, gibt’s jedoch erbarmungslose kritik. Es ist eine nicht anerkannte arbeit, eine nicht anerkannte aufgabe, die nicht unmittelbar früchte oder ertrag abwirft. Außer eben die informationen, aber die nimmt der benutzer eh als ganz natürlich hin. Die forschungswelt ist eine kalte wirtschaftswelt geworden: jede handlung, die man setzt, muss ‚was bringen‘. Kein zeit für die sonst für das archiv so bezeichnende kontemplation, langsamkeit, meditation und stille eines klosters.
Das archiv ist unscheinbar. Unscheinbar, weil passiv. Es ist das wartende Yin, das nichthandeln. Das Warten darauf, dass man es braucht und anerkennt, im idealen fall pflegt beziehungsweise gar erweitert. Eine erweiterung wird nichtmal unmittelbar schlagend im archiv. Man kann ein ganz tolles stück hineinstellen, aber das stück versinkt sofort in der gesamtheit des archivs, es nimmt die farbe der umgebenden an – nur ein kenner wird die wertvollen juwelen des archivs herausfinden, die vielleicht ganz schön teuer erworben wurden. Das archiv ist der kommunismus der gegenständlichkeiten.

Der Wächter / Die Glucke

Das Archiv kann sich selber um es nicht kümmern. es kann sich nicht kümmern drum, dass es einen wächter oder eine glucke bekommt. es muss immer ein hauptverantwortliche/r für so etwas da sein. im rahmen des berufs, oder sonstwie gegen einen kleinen obolus, im grenzfall auch ehrenamtlich. und das archiv ist aber darauf ausgerichtet, stück für stück seine glucken und seine wächter zu überleben. es ist ja für die ewigkeit, der mensch aber muss irgendwann mal gehen. diese informelle archivverantwortung entspricht irgendwie der weitergabe des wissens eines schamanen oder medizinmannes innerhalb des stammes. wehe, der, den er angelernt hat, kommt in der jagd um oder erkrankt tödlich. das hängt alles irgendwie immer an einem seidenen faden. und klar verkraftets das archiv, wenns auch mal gluckenlos und wächterlos dahindarbt, so an die zehn jahre verkraftets das schon; länger aber sollts nicht sein. am schönsten ist diese aufgabenweitergabe wirklich vom meister zum nachwuchs. und dieser nachwuchs muss diese immaterielle begeisterung spüren, die mit schwingungen oder auf höherer ebene der stringtheorie erklärbar wäre. damit wird diese abhandlung endgültig leicht fiebrig vergrippt mit ihren weit über 1000 worten (eigentlich ist 700 die obergrenze für wölfische beiträge, wer sich bis hierher durchgekämpft hat kriegt den von mir vor 15J eingeführten lesenobelpreis). na jedenfalls wollte ich das wächter- und gluckenphänomen nicht unerwähnt lassen. /1247w; pic:pixabay_pexels