132-Kuli_Kleptomaninnen

ich arbeit’ im büro und habe dort ein ernstes problem damit, wenn mitarbeiter achtlos an meinem tisch vorüber gehen und weil sie grad einen kuli brauchen, kommentarlos in meinen kuli-köcher greifen und sich einen rausnehmen, als wäre das allgemeingut. daher sind nur fiese nichtschreibende kulis in meinem köcher oder die billigsdorfer der arbeitgeberfirma. ich hab nämlich eine gewisse beziehung zu bestimmten kulis, speziell wenn ich sie von firmenmessen habe. da können sehr schöne exemplare dabei sein und manchmal kostets ein gespräch, um an den kostbaren, edlen stahlkuli zu kommen. die erste kuli-kleptomanin hatte ich schon in der schule. vater hatte mir einen parker geschenkt. der war irgendwie plötzlich in ihrem pennal. monika fa*rner hieß die frau damals, aber sie ist gewiss zwischenzeitlich verheiratet mit namensänderung. die namen rezenterer kuli-kleptomaninnen verrate ich freilich nicht. dann war da auch mal ne kollegin einer früheren chefin. die brauchte kurz nen kuli, ich reichte ihr den, den ich grad hatte – und obwohl der patzte, wollte ich ihn zurück: weil es war mein kuli der abflussreiniger-firma, und ich hatte schon ne geschichte mit dem. ich rannte ihr lange nach wegen des patzerkulis, ich glaub ich schrieb ihr sogar. einst auch – andre chefin – eine (führungspositions-)kollegin hat bei ihr besprechung. dann stürzt sie plötzlich raus aus dem oberchefinnen zimmer und verlangt eilig einen kuli. ich bin total überrumpelt und habe grad den blauen larimar in der hand. komplett verdutzt händige ich ihn ihr aus. ein wunderschöner larimar in edlem wasserblau. ich weiß, den kriege ich nie wieder aber ich muss ihn unbedingt zurück haben. auch diesen kuli erhalte ich zurück. das zurückverlangen der kulis hat mich in der folge immer die jobs gekostet. ist nur halb so schlimm. es gibt ja andre jobs. aber die kulis sind einzelstücke und daher wichtig.
es ist so eine unglaubliche respektlosigkeit und achtlosigkeit einer person gegenüber. eine lächerliche sache zwar, aber letztendlich betrug und diebstahl. ich will die sachlage mal von ner andren warte betrachten. ich unterrichtete deutsch für flüchtlinge. da war anzunehmen, dass sie vielleicht keinen kuli dabeihaben und sich über einen freuen. meine stifte zweiter wahl tat ich in ne schöne dose und hatte die mit. mein vorname stand da hübsch drauf. neben zetteln, die ich verteilte, ging ich durch und wer einen brauchte, durfte sich nen kuli aus dem köcher nehmen. ich betonte, dass sie diese behalten können. JEDER gab mir den schreiber zurück, es waren aber durchaus schöne dabei gewesen. sie nahmen das so genau, sie wollten nicht als diebe dastehen. wo ich doch sagte, er ist ein geschenk – sie dürften ihn behalten! da merkt man, wie ehrlich die armen leute sind, wie achtlos – respektlos hingegen die reichen gesellschafts-trullas. ich renne eigentlich meiner eigenen würde nach, wenn ich beharrlich mein schreibzeug zurück will: ich verlang’ diesen respekt./pic miyun pixabay